Insights zu unserem Entwurf
Unsere Idee zum Entwurf der Carolabrücke
Eine Brücke, die Stadtbild, Aufenthaltsqualität und schnelle Umsetzbarkeit verbindet. So ist die neue Carolabrücke für uns weit mehr als eine leistungsfähige Verkehrsverbindung über die Elbe. Der Entwurf verbindet historische Bezüge zur ersten Carolabrücke mit einer zeitgemäßen Ingenieurlösung, die sich sensibel in das Dresdner Stadtbild einfügt. Gleichzeitig schaffen Stadtbalkone, großzügige Aufenthaltsbereiche und eine wirtschaftliche Bauweise die Grundlage für eine Brücke, die den Alltag der Menschen verbessert und schnell realisiert werden kann.
Wir verbinden Stadtbild, Historie und Zukunft
Die Carolabrücke befindet sich an einem der bedeutendsten Orte Dresdens. Zwischen Altstadt, Neustadt, Elbwiesen und Königsufer prägt sie das Stadtbild weit über ihre eigentliche Funktion als Verkehrsverbindung hinaus.
Der Entwurf orientiert sich deshalb bewusst an den charakteristischen Merkmalen der ersten Carolabrücke und den historischen Brücken der Dresdner Innenstadt. Ziel war es nicht, ein historisches Bauwerk zu kopieren, sondern dessen Grundgedanken in eine zeitgemäße Form zu übersetzen. Entstanden ist ein Entwurf, der Historie, Form, Konstruktion, Tragwirkung und Funktion zu einem ganzheitlichen Konzept verbindet.
Die neue Carolabrücke wirkt vertraut und gleichzeitig modern. Sie fügt sich zurückhaltend in die Dresdner Stadtsilhouette ein und stärkt den einzigartigen Charakter des Elbraums.
Markante Pfeiler machen aus einer Verkehrsbrücke eine Stadtbrücke
Die Gestaltung der neuen Carolabrücke orientiert sich bewusst an der ersten Carolabrücke und den historischen Brücken Dresdens und führt diesen Ansatz konstruktiv weiter. Wir haben ein längsorientiertes Tragwerk mit vier Haupttraggliedern entwickelt, das den Verzicht auf Stahlregelquerträger ermöglicht und zu einfachen, kompakten Stahlkästen führt, die nur über die Fahrbahnplatte verbunden sind.
Die markanten Pfeilerscheiben ergeben sich dabei nicht nur gestalterisch, sondern unmittelbar aus dem Tragwerk: Die Geometrie der Längsträger macht Querträger überflüssig, zugleich sind die Pfeiler für das Bogensprengwerk als Kämpfer zur Aufnahme der Horizontalkräfte zwingend erforderlich. Dadurch entsteht ein klar rhythmisiertes Tragwerk mit prägnanten Zäsuren. Oberhalb der Kämpfer wird bewusst auf ein Auflager des Versteifungsträgers verzichtet, um Zwang aus Temperaturunterschieden zu minimieren.
Durch unsere markanten Pfeiler benötigen wir für Schiffe keinen Aufprallschutz, die bei tiefem Wasserstand unschön herausragen.
Insgesamt ist der Entwurf in sich konsequent und technisch schlüssig aufgebaut. Die Pfeiler übernehmen zugleich eine zentrale städtebauliche Rolle: Sie strukturieren den Raum, schaffen Orientierung und verhindern eine durchgehende, technisch wirkende Infrastrukturtrasse. Stattdessen entsteht eine entschleunigte Stadtbrücke mit eigener Identität, die historische Bezüge aufnimmt und zeitgemäß weiterentwickelt, ohne sie zu kopieren. Damit wird das Bauwerk sowohl technisch als auch städtebaulich fest in Dresden verankert.
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Entwurf: GRASSL mit gmp Architekten
Stadtbalkone schaffen Aufenthaltsqualität auf ausdrücklichen Bürgerwunsch
Ein zentrales Merkmal des Entwurfs sind die Stadtbalkone auf den Pfeilern. Sie wurden bewusst als Orte des Verweilens integriert und greifen Wünsche auf, die im Bürgerdialog geäußert wurden. Statt einer reinen Verkehrsinfrastruktur entsteht ein Ort, an dem Menschen anhalten, die Aussicht genießen und Dresden aus neuen Perspektiven erleben können. Die Stadtbalkone unterstützen zugleich die Entschleunigung des Stadtraums. Sie machen die Elbe, die Altstadt und die Elbwiesen erlebbar und unterstreichen den Anspruch, eine Brücke für Menschen und nicht ausschließlich für Verkehr zu schaffen.
Leicht, transparent und sicher: Architektur und Funktion im Einklang
Die Gestaltung des Bauwerks folgt konsequent dem Anspruch, Offenheit und Leichtigkeit zu schaffen. Charakteristisch sind die sogenannten Brückenaugen innerhalb der Bogenkonstruktion. Sie ermöglichen Durchblicke auf die Elbe und die Stadt, sorgen für Transparenz und unterstützen gleichzeitig die konstruktiven Anforderungen an das Bauwerk.
Die Brücke bleibt bewusst in der gewohnten Höhenlage. Dadurch werden die bekannten Blickbeziehungen auf Altstadt, Elbwiesen und Königsufer bewahrt.
Auch die technische Ausstattung wurde sorgfältig integriert. Die Maste für Beleuchtung und Fahrdraht sind für den Straßenbahnbetrieb ohnehin erforderlich. Sie werden deshalb nicht am äußeren Rand der Brücke angeordnet, sondern innerhalb des Bauwerks. Dadurch bleiben die Sichtachsen auf die Dresdner Stadtsilhouette weitgehend frei.
Materialien, die Dresden vertraut sind
Helle, elbsandsteinfarbene Oberflächen und bronzefarbene Elemente sollen die Brücke ruhig und hochwertig wirken lassen. Pfeiler, Brückenenden und Geländer nehmen Bezug auf historische Bauwerke entlang der Elbe. Auch Elemente wie Laternen, Stadtmöblierung oder historische Bezüge können im weiteren Planungsprozess integriert werden.
Freie Sicht, hohe Sicherheit und klare Orientierung für alle Verkehrsteilnehmenden
Die Verkehrsführung auf der Brücke wurde konsequent auf Sicherheit, Komfort und Übersichtlichkeit ausgerichtet. Fußgänger*innen, Radfahrende, Straßenbahn, Busse und motorisierter Verkehr erhalten klar definierte Bereiche. Großzügig bemessene Breiten, Sicherheitsräume zwischen den Verkehrsarten, Niveauunterschiede und Schrammborde schaffen eine eindeutige Gliederung des Verkehrsraums und erhöhen insbesondere für den Radverkehr die Sicherheit. Die klare Struktur erleichtert die Orientierung und sorgt für ein intuitives Nutzererlebnis.
Besonderes Augenmerk gilt dabei den Menschen, die die Brücke zu Fuß oder mit dem Fahrrad nutzen. Großzügige Geh- und Radwege schaffen ausreichend Platz für komfortables und konfliktarmes Miteinander. Zusätzliche Aufenthaltsbereiche auf der Brücke laden zum Verweilen ein und machen die Elbquerung zu einem Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität.
Auch die Geländerkonstruktion folgt diesem Anspruch. Die Kombination aus filigranen Drahtseilen und einer Verkröpfung des Handlaufs verhindert ein Übersteigen und ermöglicht zugleich weitgehend ungehinderte Ausblicke auf die Dresdner Stadtsilhouette und den Elbraum.
Die Beleuchtungsmasten übernehmen eine Doppelfunktion: Sie tragen die für die Straßenbahn erforderliche Oberleitungsanlage und prägen zugleich das Erscheinungsbild der Brücke. Durch ihre Anordnung innerhalb des Brückenquerschnitts bleiben die Sichtachsen zur Altstadt und entlang der Elbe weitgehend frei. Die blendfreie Beleuchtung verbessert die Orientierung und erhöht die Sicherheit in den Abend- und Nachtstunden.
Eine zurückhaltende Beleuchtung der Brückenunterseite macht das Bauwerk auch nach Einbruch der Dunkelheit erlebbar. Sie stärkt die Wahrnehmung des Brückenraums und verleiht der Carolabrücke eine eigenständige nächtliche Identität.
Verbindungen, die für alle funktionieren
Die neue Carolabrücke verbindet Carolaplatz und Rathenauplatz leistungsfähig und verknüpft gleichzeitig wichtige Wegebeziehungen entlang der Elbe. Auf beiden Uferseiten wird sie direkt an bestehende Rad- und Fußwegenetze angeschlossen und stärkt damit die Verbindung zwischen Innenstadt, Elbufern und angrenzenden Stadtquartieren.
Im Norden entstehen direkte Verbindungen zum Königsufer und zum Carolaplatz. Im Süden werden die Wege entlang der Elbe, zum Elbberg und zum Hasenberg komfortabel und barrierefrei erschlossen. Treppen ermöglichen kurze direkte Wege, während großzügige Rampen eine uneingeschränkte Nutzung für Radfahrende, Rollstuhlfahrer*innen, Menschen mit Kinderwagen und mobilitätseingeschränkte Personen gewährleisten. Auch der Elberadweg wird nahtlos in das neue Wegenetz integriert.
Gleichzeitig bleibt die Carolabrücke eine leistungsfähige Verbindung für den öffentlichen Nahverkehr. Die Straßenbahn quert die Elbe weiterhin auf direktem Weg und sichert eine zuverlässige Anbindung der Stadtteile beiderseits des Flusses. An der Haltestelle Synagoge entsteht zudem eine deutlich vergrößerte Bahnsteigfläche mit mehr Platz und Komfort für Fahrgäste.
So entsteht eine Brücke, die nicht nur die Elbe überquert, sondern wichtige Stadträume miteinander vernetzt und die Mobilität in Dresden nachhaltig stärkt.
Impulse für einen lebendigen Stadtraum
Die neue Carolabrücke bietet die Chance, zentrale Stadträume entlang der Elbe neu zu verknüpfen und weiterzuentwickeln. Rund um Rathenauplatz, Carolaplatz, Elbufer und Brühlsche Terrasse entstehen attraktive Wegeverbindungen, neue Aufenthaltsbereiche und zusätzliche Grünflächen, die die Aufenthaltsqualität für Bewohner*innen und Besucher*innen gleichermaßen erhöhen. Der Entwurf respektiert dabei die besondere Lage im Herzen Dresdens. Durch die großen Spannweiten der Brücke und den Verzicht auf zusätzliche Pfeiler bleiben die Elbwiesen als zusammenhängender Natur- und Erholungsraum erhalten.
Gleichzeitig werden die Verbindungen zwischen Stadt und Fluss gestärkt und wichtige öffentliche Räume besser miteinander vernetzt. Auch historische Bezüge finden ihren Platz in der zukünftigen Gestaltung. Die Rückkehr der Brückenpferde sowie die Wiederherstellung des Elbberg-Gässchens können dazu beitragen, die Geschichte des Ortes wieder sichtbarer zu machen. Ergänzend ist vorgesehen, den Promenadenring und den Kaitzbach stärker bis an die Elbe heranzuführen und damit bestehende Freiräume zu einem zusammenhängenden Stadtraum zu verbinden. So entsteht rund um die neue Carolabrücke ein lebendiges Stück Stadt, das Mobilität, Aufenthaltsqualität, Natur und Geschichte miteinander verbindet und den Dresdner Elbraum langfristig aufwertet.
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Entwurf: GRASSL mit gmp Architekten
Wirtschaftlich, schnell umsetzbar und vollständig vorfertigbar
Neben der Gestaltung stand die Umsetzbarkeit im Mittelpunkt der Planung. Das Tragwerk basiert auf kompakten Stahlkästen, die ausschließlich in Brückenlängsrichtung orientiert sind. Diese Konstruktion ist robust, wirtschaftlich und vergleichsweise einfach herzustellen.
Ein wesentlicher Vorteil liegt in der hohen Vorfertigung. Große Teile des Bauwerks können vollständig im Werk hergestellt und anschließend direkt vor Ort montiert werden. Dadurch verkürzen sich die Bauzeiten erheblich und Einschränkungen für Verkehr, Anwohner*innen werden reduziert. Zudem ermöglicht die Konstruktion eine abschnittsweise Realisierung. Teile der Brücke können bereits von allen Verkehrsteilnehmer*innen ein Jahr früher als gefordert genutzt werden, während andere Bereiche noch gebaut werden.
Ein weiterer Vorteil ist die Genehmigungsfähigkeit des Entwurfs. Die vorgegebenen Randbedingungen werden eingehalten: Die bestehende Gradiente bleibt erhalten, zusätzliche Fahrspuren sind nicht vorgesehen und die Pfeiler beanspruchen lediglich punktuell Flächen der Stadt Dresden und des Freistaats Sachsen. Auch die Anbindung der Rad- und Fußwege an die Uferbereiche erfolgt ohne Veränderungen des Geländes, sodass der vorhandene Baumbestand vollständig erhalten werden kann. Zusätzliche Eingriffe in den Stadtraum werden dadurch vermieden.
Gleichzeitig bietet das Tragwerkskonzept eine hohe Flexibilität für zukünftige Anforderungen. Das rein längsorientierte Bogentragwerk kann ohne Veränderung seines gestalterischen Erscheinungsbildes sowohl für zunächst zwei Fahrspuren mit einer späteren Verbreiterung auf vier Fahrspuren als auch für eine dreistreifige Verkehrsführung ausgelegt werden. Damit verbindet der Entwurf architektonische Qualität mit wirtschaftlicher Realisierbarkeit, schafft die Voraussetzungen für eine zügige Umsetzung und denkt die Infrastruktur von morgen bereits heute mit – für eine leistungsfähige, flexible und zukunftsfähige Verbindung über die Elbe.
Ein Team-Entwurf für eine besondere Dresdner Aufgabe
Der Entwurf wurde im Team von GRASSL, GMP-Architekten, Jordi Keller Pellnitz und Vössing Ingenieurgesellschaft erarbeitet. Ziel ist eine Carolabrücke, die technische Anforderungen, Stadtraum, Verkehr und Aufenthaltsqualität zusammenführt. So entsteht ein Entwurf, der die besondere Lage an der Elbe respektiert und zugleich eine zukunftsfähige Verbindung für Dresden schafft!
DETAILS
Detaillierte Informationen zum Entwurf gibt's hier: www.carolabruecke-dresden.com
BILD DOWNLOADS
Bitte überall bei der Verwendung der Bilder das Copyright angeben: © GRASSL mit gmp Architekten
- GRASSL mit gmp: Carolabrücke Blick von Neustaedter Seite (255,0 KiB)
- GRASSL mit gmp: Blick_von Elbradweg (201,9 KiB)
- GRASSL mit gmp: Carolabrücke Blick Altstadtseite (476,4 KiB)
- GRASSL mit gmp: Carolabrücke Blick unter Bruecke Nord (302,7 KiB)
- GRASSL mit gmp: Carolabrücke Material (443,9 KiB)
- GRASSL mit gmp: Carolabrücke Pfeiler Entwicklung (141,3 KiB)
- GRASSL mit gmp: Carolabrücke filgrane Untersicht (726,4 KiB)
- GRASSL mit gmp: Carolabrücke Verkehrsanlagen (704,4 KiB)
- GRASSL mit gmp: Carolabrücke Blick von Elbradweg (858,1 KiB)
- GRASSL mit gmp: Perspektive von der Albertbrücke auf die neue Carolabrücke (468,7 KiB)
- GRASSL mit gmp: Perspektive von der Brühlschen Terrassen auf die neue Carolabrücke (532,2 KiB)
- GRASSL mit gmp: Perspektive vom Elbradweg auf die neue Carolabrücke (531,2 KiB)
- GRASSL mit gmp: Stadtbalkon der neuen Carolabrücke (872,0 KiB)
- GRASSL mit gmp: Carolabrücke Brückenauge (480,7 KiB)
- GRASSL mit gmp: Städtebau Vision für die Carolabrücke (829,4 KiB)